Unsere Schützlinge im Ganztags-Programm

NagammalNagammal
wurde 1989, im nahe gelegenen Dorf, in eine arme Familie mit drei älteren Brüdern geboren. Sie war ungewollt und ihre Mutter hatte versucht sie abzutreiben. Als Nagammal zum “Alten Spielplatz” kam, war sie dreieinhalb und konnte wegen erheblicher Unterernährung nicht laufen. Sie war schwach und ständig krank und war laufend in ärztlicher Behandlung, unter anderem wegen Tuberkulose. Seit 2003 konnten wir ihr das Ganztags-Programm mit Mittagessen anbieten, was ihren Gesundheitszustand sehr stabilisiert hat. Nagammal war unser erstes gehörloses Kind. Damals hatten wir noch keine Erfahrung mit Hörgeräten und Sprachtherapie. Es war ein langer Prozess, bis Nagammal schließlich mit fünf Jahren ihre ersten Hörgeräte bekam. Für die nötigen Tests und das Anpassen der Geräte mussten wir jedes Mal nach Chennai fahren, was damals eine vier bis fünfstündige Fahrt auf schrecklichen Straßen war. Nagammal ist sehr intelligent und aufmerksam. Sie ist eine von unseren Betreuten, die über die Jahre maximal von unserem Programm profitieren konnte. Selvi hat Nagammal Lesen und Schreiben beigebracht, allerdings ist ihre Aussprache nicht sehr artikuliert, da die Hörhilfe zu spät kam und sie zu wenig familiäre Unterstützung bekam. Wir haben Nagammal verschiedene Handarbeiten beigebracht, beisspielsweise Sticken, die Gestaltung von Grußkarten und das Ziehen von Kerzen. Inzwischen hat sie mehr Selbstvertrauen und ist eine große Hilfe für die kleineren Kinder bei Deepam. Bei uns fühlt sich Nagammal wohl und anerkannt. Wir haben mit der Familie abgemacht, dass sie als Helferin bei Deepam bleiben kann und dauerhafte Gesundheitsversorgung erhält. Wir haben für sie ein Sparkonto eröffnet, auf das wir monatlich einen Betrag für ihre zukünftigen Bedürfnisse einzahlen.

sunderSundar
ist 1985 geboren und schwer geistig Beeinträchtigt, so dass seine Fähigkeiten stark eingeschränkt sind. Über die Jahre haben wir es geschafft, ihm die Grundfarben und das Zählen bis 20 beizubringen. Sundar kann kleine Jobs bei Deepam übernehmen und hat ein gutes Sozialverhalten. Seine Aufmerksamkeitsspanne ist kurz und er wird außerhalb nie einer Arbeit nachgehen können. Doch Sundar ist immer gut gelaunt und wir sind eher öfter genervt, dass er den gesamten Tag laut vor sich hin singt. Im Dorf ist er viel auf der Strasse zu sehen, wo er wegen seinem angenehmen Wesen von allen akzeptiert wird. Sundar ist offensichtlich ein extrem glücklicher Mensch.

VinothVinoth
ist 1989 geboren. Er hat geistige Beeinträchtigungen, einen moderaten Gehörverlust und ist extrem hyperaktiv. Allerdings ist Vinoth ziemlich geschickt mit den Händen. Vor einigen Jahren hatten wir es geschafft, ihn nach und nach in eine Töpferei zu integrieren, aber die Arbeit dort war zu schwer für ihn und er vermisste die persönliche Fürsorge. Vinoth passt nicht mehr in unsere Ganztagsgruppe mit den kleineren Kindern und so haben wir uns bei unseren wöchentlichen Mitarbeiterbesprechungen lange den Kopf zerbrochen, wie es mit Vinoth weitergehen soll. Schließlich kamen wir auf die Idee, ihn offiziell zu einem Helfer bei Deepam zu machen, was gut funktioniert, solange er ein wenig Beaufsichtigung bekommt. Nun hält Vinoth unseren Garten sauber, nimmt an einigen Gruppenaktivitäten und den regelmäßigen Mahlzeiten teil. Vinoth träumt davon, ein eigenes Handy und Motorrad zu besitzen. Für seinen zukünftigen Bedarf haben wir ihm dabei geholfen, ein Sparkonto auf seinen Namen zu eröffnen und zahlen darauf einen monatlichen Betrag ein, für die Arbeit, die er bei uns leistet. Darüber hinaus geben wir ihm wöchentlich ein Taschengeld, über das er frei verfügen darf.

AkashAkash
ist 2002 geboren. Gleich nach der Geburt hatte er epileptische Anfälle und wird lebenslang Medikamente einnehmen müssen. Akash ist in seiner geistigen Entwicklung beeinträchtigt und zeigt massive Verhaltensauffälligkeiten, mit Ticks und autistischen Zügen. Er kommt aus einer armen Familie mit ungebildeten Eltern. Sein Vater ist Alkoholiker und hilft kaum beim Aufziehen der Kinder. Seine Mutter geht arbeiten, um die Familie durchzubringen. Wir kennen Akash seit er als zweijähriges Kind ambulant zu Angelika zur Beschäftigungstherapie kam. Leider war es nicht möglich, kontinuierlich mit ihm zu arbeiten. Akash war oft krank – entweder hatte er massive epileptische Anfälle oder wiederkehrende Fieberschübe. Es dauerte Monate bis er mit einem speziellen Typ von Tuberkulose diagnostiziert wurde. Neun Monate lang bekam er eine intensive medizinische Behandlung und durfte wegen Ansteckungsgefahr während dieser Zeit nicht zu Deepam kommen. Für seine Mutter wurde es immer schwieriger, mit Akash fertig zu werden und wollte ihn in einem Heim unterbringen. Dort wurde er jedoch wegen seines schwierigen Verhaltens abgelehnt. Deshalb entschied unser Team, Akash ins Ganztagsprogramm aufzunehmen, was eine große Herausforderung war. Über eine lange Zeit hinweg brauchte er eine Person, die ihn ständig beaufsichtigte. Er verweigerte Augenkontakt, konnte nicht alleine zur Toilette gehen, schlug und provozierte andere Kinder, störte und war nur schwer in den Tagesablauf zu integrieren. Nach und nach verbesserte sich sein Sozialverhalten und seine Kooperation. In Einzelsitzungen wurden einfache Dinge geübt und seine Konzentrationsfähigkeit aufgebaut. Inzwischen hat Akash erstaunlich große Fortschritte gemacht und ist fähig an allen Aktivitäten teilzunehmen.

SarasuSarasu
ist 1998 geboren. Als sie eineinhalb Jahre war, brachte ihre Mutter sie zu uns, weil sie gemerkt hatte, dass ihre Tochter nicht auf Ansprache reagierte. Die audiometrischen Tests bestätigten ihre Gehörlosigkeit. Wir halfen ihr die ersten Hörgeräte zu kaufen und die entsprechenden Ohrpass-Stücke anzufertigen, die jedes Mal erneuert werden mussten, wenn ihre Ohren gewachsen sind. Die Familiensituation spitzte sich zu und Sarasus Vater trank mehr und mehr. Ihre Mutter musste arbeiten gehen, obwohl inzwischen eine kleine Schwester geboren war. Deshalb entschieden wir uns, Sarasus Mutter für jeden Tag zu bezahlen, an dem sie ihre Tochter zur Sprachtherapie brachte, was eine Zeitlang sehr gut funktioniert hat. Sarasu bekam täglich Einzelsitzungen mit Selvi. Innerhalb weniger Monate konnte Sarasu alle notwendigen Laute artikulieren, um Tamil zu sprechen. An diesem Punkt halfen wir sie in eine sonderpädagogische Schule in Pondicherry zu integrieren, mit der Idee, ihr eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Unglücklicherweise beging ihr Vater dann Selbstmord und die Mutter bat uns darum ihr zu helfen Sarasu in einem Heim unterzubringen. Ein Jahr später wurde klar, dass es Sarasu in diesem Heim nicht erlaubt wurde ihre Hörgeräte zu tragen und dass sie auch keine Sprachtherapie erhielt. Auf Wunsch der Mutter nahmen wir Sarasu zurück. Leider hatte sie wertvolle Zeit verloren – sie konnte nicht mehr sprechen und das Training musste noch einmal von vorne beginnen. Mittlerweile war das Mädchen außerdem ziemlich hyperaktiv und unkonzentriert. Die häusliche Situation war schrecklich – die Mutter lebte mit ihren Töchtern und sen alten Großeltern in einer winzigen, armseligen Hütte. Glücklicherweise war eine wohlwollende Person aus Auroville bereit, ein kleines solides Haus für die Familie zu bauen. Nach und nach machte Sarasu stetig Fortschritte. Sie wurde konzentrierter und lernte Tamil Lesen und Schreiben. Aus dem Mädchen wurde eine pfiffige Teenagerin mit einem starken Willen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurde sie ins ”Life Education Centre (LEC)” integriert, wo sie eine Ausbildung in Handarbeiten und Schneidern bekommt. Sie wird für ihr Geschick gelobt und ist inzwischen fähig, ihre eigenen Panjabis zu nähen (Hosen mit einem knie-langen Oberteil). Wir sind zuversichtlich, dass sie in Zukunft ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen wird.

NishanthNishant
wurde mit spastischen Muskeln geboren (Zerebralparese). Seine Großmutter brachte Nishant mit fünf Jahren zu uns. Mit Hilfe intensiver Physiotherapie und Gehapparaten war es ihm möglich, erste Schritte zu gehen und kann inzwischen kurze Wege ganz ohne Hilfsmittel laufen. Wegen der schwerwiegenden Spastik seiner Beinmuskeln sieht sein Gangbild nicht besonders elegant aus und Nishant muss fortlaufend krankengymnastische Übungen machen. Nishant hat lange Jahre eine Regelschule besucht, aber er lernt langsam und ist oft unaufmerksam, weshalb er die Prüfungen nicht geschafft hat. Seit 2012 besucht Nishant auf eigenen Wunsch unser Ganztags-Programm, wo er in Einzelstunden Physiotherapie und eine schulische Grundbildung erhält. In den letzten Jahren gab es viele Klagen über Nishants Motivation und seinen mangelnden Fortschritt. Erst neuerdings kommt Nishant mehr aus sich heraus und bekommt viel Lob und Anerkennung für sein Bemühen. Er interessiert sich mehr für seine Physiotherapie-Übungen, weil er gut aussehen und aufrecht laufen will. Auch zeigt er mehr Interesse am Lernen, insbesondere am Computerunterricht. „Ich möchte aufrecht gehen und groß sein. Jetzt bin ich 5 Feet und 2 Inches groß. Am liebsten mag ich das Computertraining bei Deepam. In Zukunft plane ich, meinen eigenen Laden im Dorf aufzumachen und möchte Ersatzteile und Sim-Karten verkaufen.“ Gerne möchten wir Nishant Fähigkeiten beibringen, mit welchen er später sein Leben selbständig führen kann.

NanthiniNandini
kam mit im Alter von neun Monaten erstmals für Therapie zu Deepam. Sie hatte keinen sanften Start ins Leben. Als ihre Mutter mit ihr schwanger war, unternahm sie einen Selbstmordversuch und übergoss sich mit Kerosin. Sie wurde mit 42-prozentigen Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert, wo Nandini zu früh, mit verschiedenen Behinderungen (Zerebralparese und Mikrozephalie) zur Welt kam. Seit wir sie kennen, war Nandini unterernährt und litt unter Darmparasiten. Ihr Vater ist stark alkoholabhängig und geht nicht zur Arbeit. Ihre zwei jüngeren Brüder besuchen Regelschulen. Wegen der familiären Probleme kam Nandini sehr unregelmäßig zu ihren Therapiestunden. Erst als sie sieben und reif genug war, gliederten wir Nandini Schritt für Schritt in unser Ganztags-Programm ein und seither hat sie erheblich aufgeholt. Zuhause gab es keine Toilette und aufgrund ihrer Entwicklungsverzögerung war es eine große Herausforderung, Nandini beizubringen, bei Deepam die Toilette zu benutzen, anstatt in die Hose zu machen. 2016 konnten wir der Familie helfen eine eigene Toilette zu bauen. Nandini ist gerne mit den anderen Kindern in der Gruppe zusammen und macht kontinuierlich Fortschritte. Mit ihren strahlenden Augen und ihrem frohen Wesen ist sie bei Deepam wie ein Sonnenstrahl.

SanthiyaSanthiya
wurde 2003 mit einem Gewicht von nur 1900 Gramm geboren und war für eine Woche im Wärmebett. Ihre Eltern sind miteinander verwandt. Santhiya kam mit zwei Jahren zu uns. Wir erinnern uns an sie als kleines schmutziges Mädchen, das andauernd eine laufende Nase hatte und oft krank war. Sie war winzig für ihr Alter, unterernährt und litt fortwährend an verschiedenen Darmparasiten, bis die medizinische Behandlung erfolgreich war. Obwohl Santhiya viele Fortschritte gemacht hat, seit wir sie 2009 in die Ganztagsgruppe aufgenommen haben, ist sie noch sehr schwach, was ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten betrifft. Inzwischen kann sie Farben und Formen identifizieren und nutzt einfache Sprache und Gesten, um sich auszudrücken. Testergebnisse haben ergeben, dass ihr Gehör gut ist, sie aber unter einem sogenannten sensorischen Gehörverlust leidet. Das bedeutet, dass Gehörtes in ihrem Sprachzentrum im Gehirn nicht richtig verarbeitet wird. Deshalb braucht sie eine Menge an zusätzlicher Stimulation, um sprechen zu lernen. Da sie gewohnt war „ihr Geschäft im Freien zu verrichten“ blieb das Toilettentraining eine dauerhafte Herausforderung. Wegen ihrer zarten Gesundheit ist sie weiterhin anfälliger für Krankheiten. 2011 wurde bei ihr eine beginnende Tuberkulose diagnostiziert und sie bekam über Monate hinweg Medikamente. Inzwischen hat sich ihr Gesundheitszustand verbessert, auch wenn sie noch zu klein für ihr Alter ist. Erfreulicherweise kann sie sich besser konzentrieren und zeigt Fortschritte in vielen Bereichen. Wegen ihres angenehmen Wesens ist Santhiya bei allen beliebt.

Ruthrapathi wurde 2003 gehörlos geboren. Er ist der ältere Bruder von Nivetha, die auch bei Deepam ist. Ihre Eltern sind blutsverwandt, aber der Vater lebt mit einer anderen Frau zusammen und hat sich, seit sie klein waren, nicht um seine Kinder gekümmert. Die Mutter schuftet als Tagelöhnerin auf Baustellen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Ruthrapathi ist nie zur Schule gegangen und war tagsüber sich selbst überlassen und unterernährt. Mit Stolz trug er seine ersten Hörgeräte, die er von uns bekam, als er bereits acht Jahre alt war. Zu Beginn kam er nur zur Sprachtherapie. Doch bald wurde er in unser Ganztagsprogramm aufgenommen, wo er soziale Kompetenzen lernte – wie abzuwarten, andere zu respektieren und die Toilette zu benutzen. Da er seine Hörgeräte so spät erhielt, macht er sich immer noch lieber in seiner eigenen Zeichensprache verständlich als zu sprechen. Ruthrapathi hat über die Jahre sehr von den verschiedenen Aktivitäten profitiert, an denen er bei Deepam teilnehmen durfte. In unserem Werkraum hat er sich früh für handwerkliche Tätigkeiten interessiert, ganz besonders für Holzarbeiten. In seiner Nachbarschaft fand sich ein Schreiner, bei dem er mitarbeiten kann. Es ist wundervoll zu sehen, wie er in der Tischlerei Möbelschnitzereien anfertigt. Wir freuen uns, Ruthrapathi als jungen Mann begleiten zu dürfen, der trotz diverser Benachteiligungen seinen Beitrag in der Gesellschaft leistet. Wir bleiben in Kontakt mit ihm und achten darauf, dass er seine Hörgeräte trägt und pflegt.

Hema
war 4 Jahre alt, als ihre Kindergartenlehrerinnen sie 2009 zu uns schickten. Wir empfahlen einen Audiometrie-Test, der bestätigte, dass ihr Gehör geschädigt war und sie Hörgeräte und intensives Sprachtraining brauchen würde. Ihre Eltern wurden über weiter entfernte sonderpädagogische Schulen für gehörbehinderte Kinder informiert. Aufgrund von Hemas Hyperaktivität wollten sie ihre Tochter allerdings lieber im Ganztags-Programm bei Deepam unterbringen, wo sie mehr individuelle Aufmerksamkeit und tägliche Sprachtherapie-Sitzungen mit Selvi und Gopal bekam. Nachdem sie innerhalb von zwei Jahren beachtliche Fortschritte gemacht hatte, schlugen wir vor, Hema in die Regelschule zu re-integrieren. Die Aikyam Schule war bereit sie in die erste Klasse aufzunehmen. Wir haben die nachmittägliche Sprachtherapie fortgesetzt und weiterhin bei den Hausaufgaben und bei der Pflege ihrer Hörgeräte geholfen. Leider gab es aber von Seiten der Familie nicht genügend Unterstützung und nach einigen Monaten gaben die Lehrer auf, weil Hema nicht in der Lage war, dem Unterricht zu folgen. Jetzt ist sie den ganzen Tag bei Deepam, wo sie wöchentlich ein paar Stunden Einzelunterricht bekommt. Sie lernt Tamil lesen und schreiben und die Grundzüge des Rechnens. Hema profitiert besonders auch von den verschiedenen Aktivitäten bei Deepam. Mittlerweile ist sie regelrecht aufgeblüht, ausgeglichener und konzentrierter – sie redet viel und gut artikuliert, besonders auch seit ihr qualitativ hochwertige Hörgeräte zur Verfügung stehen, die wir für sie gespendet bekommen haben. Hema kann inzwischen ganze Kapitel auf Tamil lesen und komplette Sätze schreiben. Auch beherrscht sie die Grundrechenarten.

DharniDharani
ist 1997 geboren und kam das erste Mal mit zwei Jahren zur Physiotherapie zu uns. Sie leidet unter Epilepsie und bekommt Dauermedikation. Einige Jahre lang war Dharani in der Regelschule, wo sie schulisch mit ihren Klassenkameraden nicht mithalten konnte. Mit 12 Jahren kam sie schließlich in unser Ganztags-Programm und war damals nichtmals fähig ihren eigenen Namen zu schreiben. In den Schulen draußen gab es keine geeignete Hilfe für Dharani; sie braucht viel individuelle Aufmerksamkeit, um sich zu konzentrieren und Fortschritte zu machen. Lange Zeit zeigte sie ein auffälliges Sozialverhalten, weigerte sich, an Gruppenaktivitäten teilzunehmen und zog sich in sich selbst zurück. Unsere Mitarbeiter haben Dharani genau beobachtet und gezielt gefördert, z.B. haben wir für einige Kunsttherapie-Stunden gesorgt, um sie emotional zu unterstützen.
Dharanis Vater ist 2004 an Aids gestorben und ihre Mutter ist mit vier heranwachsenden Kindern zurück geblieben. Dharani hat zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Sie lebten in einer kleinen Hütte aus Lehm mit einem Strohdach, das undicht war und das provisorisch mit einer Plastikplane abgedeckt war. In den Tropen gibt es lange Zeiten ohne Niederschlag, aber die Regenfälle während des Monsuns sind extrem heftig. 2011 konnten wir, mit Spendengeldern von Deepam, helfen für Dharani und ihre Familie ein stabiles Haus zu bauen.
2013 hat Dr. Peter Prashant, der Kinderarzt des PIMS-Krankenhauses, der uns sehr unterstützt, bei Dharani das Sturge-Weber-Syndrom diagnostiziert, das ihre gesundheitliche Verfassung erklärt: Es ist ein angeborenes Erbleiden, das immer mit einem roten  Muttermal im Gesicht einhergeht. Komplikationen bestehen in der Verkalkung von Gewebe und dem Verlust von Nervenzellen im Gehirn, auf der Seite des Muttermals. Das führt oft zu Anfallsleiden und Muskelschwächen auf der anderen Körperseite. Eine andere Komplikation kann ein Glaukom werden, das zur Blindheit führen kann. Deshalb stellen wir sicher, dass Dharanis Augen regelmäßig untersucht werden. Trotz all dieser Schwierigkeiten hat Dharani unglaubliche Fortschritte gemacht. Sie strengt sich an, um etwas zu erreichen und nimmt rege an allen Aktivitäten teil. Wir sind sehr stolz auf sie und ermutigen sie.

Chandru
ist 2007 mit Down Syndrom (auch Mongolismus oder Trisomie 21 genannt) geboren. Seit dem Alter von eineinhalb Jahren kommt er regelmäßig zu Deepam, um Physiotherapie und andere Therapien zu bekommen. Chandru ist in allen Bereichen entwicklungsverzögert und braucht viel Aufmerksamkeit. Er ist ein charmanter Junge, den jeder mag. Seine Mutter hat ihn zu sehr verwöhnt – wir haben darauf bestanden, dass er lernt, zur Toilette zu gehen, selbstständig zu essen und sich selbst anzuziehen. Unser Ziel war es, ihn langsam in unsere Ganztags-Gruppe zu integrieren, was sich als schwieriger erweist, als wir erwartet haben. Chandrus Verhalten ist herausfordernd – er macht viel Unsinn und die Erwachsenen tendieren dazu das lustig zu finden, weil er so niedlich ist. Wir haben häufig bei Deepam darüber gesprochen und den Eltern klargemacht, dass wir uns alle gemeinsam auf eine klare Herangehensweise einigen müssen, um Chandru dazu anzuleiten ein angemessenes Sozialverhalten zu entwickeln.

Vinoth kumarVinoth
Vinoth ist 2008 geboren. Er wurde 2012 zu uns überwiesen, weil der Junge nicht sprach und sich nur durch Gesten ausdrückte. Seine Mutter glaubte Vinoth hätte seine Hörfähigkeit durch ein schweres Gewitter verloren, als er drei Jahre alt war. Das klang für uns nicht sehr überzeugend, besonders als wir herausfanden, dass seine Mutter einen Selbstmordversuch unternommen hatte, als sie im fünften Monat mit Vinoth schwanger war. Der Gehörtest (Audiometrie) bestätigte eine schwere Gehörlosigkeit. Vinoth kam eine Zeitlang regelmäßig zu Selvi zur Sprachtherapie. Es ist ein langer Weg, mit Hörgeräten sprechen zu lernen. Am Anfang war er sehr scheu, verweigerte den Augenkontakt und öffnete kaum den Mund. Aber Vinoth machte Fortschritte in unserem Ganztagsprogramm und nahm einige Jahre lang an allen Aktivitäten teil. Auch bekam er weiterhin Einzelstunden für seine Sprachentwicklung und lernte lesen und schreiben und die Grundbegriffe der Mathematik.
Um Vinoth in Zukunft ein eigenständiges Leben zu ermöglichen, haben wir seinen Eltern 2019 geraten, ihn in eine staatliche Gehörlosenschule zu schicken, wo er einen offiziellen Schulabschluss absolvieren kann. Es ist uns schwer gefallen, diesen feinen Jungen gehen zu lassen, auch weil uns klar war, dass er bei uns mehr Aufmerksamkeit und Betreuung bekam und mehr lebenspraktische Fähigkeiten lernen konnte. Wegen seiner Hörgeräte sind wir noch regelmäßig in Kontakt mit ihm und seinen Eltern.

 

Dineshkarthik kam 2012 als Zweijähriger zu uns. Ein Audiometrie-Test bestätigte eine schwere angeborene Gehörschädigung. Der nächste Schritt bestand darin, ihm gute Hörgeräte zu kaufen, die Deepam finanziert hat, weil seine Familie es sich nicht hätte leisten können. Dinesh kam einige Monate regelmäßig mit seiner Mutter zur Sprachtherapie. Daraufhin empfahlen wir eine Vorschule im nahen Pondicherry, die ein spezielles Programm für gehörlose Kinder anbot, mit dem Ziel sie später in Regelschulen zu integrieren. Leider hat Dinesh das nicht geschafft, da er absolut nicht stillsitzen konnte. Daraufhin haben seine Eltern bei mehreren Schulen angefragt, doch er wurde überall abgelehnt. So kam Dinesh wieder zu uns zurück. Bei Deepam bekam er Einzelunterricht und Sprachtherapie. Er lernte Tamil zu lesen und zu schreiben, sowie einfache Rechenoperationen auszuführen. Dinesh machte große Fortschritte, allerdings störte er oft die anderen in der Gruppe. Manchmal tat er Kindern auch absichtlich weh, was er sofort wieder bereute. Er selbst ist sehr feinfühlig und bemüht sich sehr, doch er hat sich nicht immer unter Kontrolle. Wir gaben Dinesh Aufgaben, bei denen er sich körperlich verausgaben konnte, zum Beispiel Gartenarbeit. Auch nahmen wir ihn zum Schwimmen und zum therapeutischen Reiten.
Da Dinesh recht intelligent ist, haben wir 2019 seinen Eltern empfohlen, ihn in eine staatliche Gehörlosenschule zu schicken, damit er einen offiziellen Schulabschluss bekommt und hoffentlich später eine Anstellung finden und selbstständig leben kann. Wir haben ein wenig gebangt, ob er sich sozial in die neue Schule eingliedern würde, oder eventuell wieder zu uns zurück kommt, aber es scheint gut zu gehen. Für seine Hörgeräte helfen wir weiterhin.

Sarvajith kam 2010 auf die Welt. Seine Eltern sind miteinander verwandt. Er ist klein und spindeldürr und sieht deswegen viel jünger aus, als er tatsächlich ist. Wegen einer angeborenen Spastik sind all seine Bewegungen verlangsamt und mühsam. Selbst Essen und Sprechen sind extrem anstrengend für ihn. Er ist unterernährt und hat chronischen Eisenmangel und schlimme Karies (seine bleibenden Zähne sind regelrecht verfault). Zu Hause isst er überwiegend weißen Reis und Süßigkeiten. Es hat viel Geduld und Zuspruch gebraucht, bis er bei Deepam gesundes Essen ausprobiert hat. Es hat auch es lange gedauert, bis wir ihn in die Ganztagsgruppe integrieren konnten, weil er sich nicht von seiner Mutter trennen wollte. Bei all seinen Schwierigkeiten hat Sarvajith einen extrem starken Willen und arbeitet hart. Tägliche Krankengymnastik und Sprachtherapie zeigen Erfolge. Er ist ein sonniges Kind, mit dem alle gerne zusammen sind. Jeden Morgen bringt er von zu Hause Blumen mit für unseren Morgenkreis

Ranjith ist 2002 geboren. Mit vier Jahren kam er zu Deepam. Er war in seiner gesamten Entwicklung hinterher und gehörlos. Wie viele unserer Kinder kommt Ranjith aus schwierigen Familienverhältnissen. Sein Vater ist alkoholabhängig und nicht fähig, seine Familie angemessen zu unterstützen. Seine Mutter verdient als Tagelöhnerin den Lebensunterhalt und kann sich deshalb auch nicht genügend um ihre Söhne kümmern.

Bei Deepam wurde Ranjith mit guten Hörgeräten versorgt und bekam intensive Sprachtherapie und die emotionale Fürsorge, die ihm von Elternseite her fehlte. Außerdem konnten wir ihm medizinische Versorgung, gesundes Essen und grundlegende Bildung bieten. Ranjiths Verhalten in der Gruppe war oft schwierig, und wir haben häufig mit ihm und seiner Mutter darüber gesprochen; sein Vater war nie bereit, dazuzukommen. Mittlerweile hat sich Ranjith stabilisiert. In den letzten Jahren hat er sich um den Garten bei Deepam gekümmert und bekam dafür ein Taschengeld. Zweimal pro Woche ging er außerdem zu einem Schreiner-Training und begann abends für einen kleinen Lohn, in der Schreinerwerkstatt eines Nachbarn auszuhelfen. Als Deepam wegen der COVID-19 Pandemie geschlossen werden musste, ist Ranjith ins Vollzeit-Arbeitsleben übergewechselt – bei einem Schreiner aus seiner Verwandtschaft, der versprochen hat, gut für ihn zu sorgen.

Sathiya wurde 1992 als Zwilling geboren. Bei ihrer Geburt waren beide Mädchen winzig und kamen in den Inkubator. Leider verstarb ihre Schwester mit acht Monaten. Den Eltern fiel auf, dass Sathiya sich nicht symmetrisch bewegte und dass ihr rechter Arm gelähmt war. Eine angeborene Halbseitenlähmung wurde diagnostiziert. Sathiya war bereits acht Jahre alt, als sie zu uns kam – und ihre Mutter machte noch alles für sie: Sie konnte nicht sprechen, sich nicht alleine anziehen, war es nicht gewohnt zu spielen und war sehr unstet und unkooperativ. In kleinen Schritten haben wir ihr spielerisch nahegebracht, einfachste Handlungen auszuführen und Anweisungen zu befolgen.

Seit 2003, seit wir unseren Schulbus haben, kommt Sathiya zu unserer Ganztagsgruppe. Mittlerweile ist sie aufgeblüht und selbstbewusst geworden und nimmt an allen Aktivitäten teil. Durch intensive Physiotherapie hat sich ihr Gangbild verbessert. Für ihre rechte Hand hat sie eine Schiene angepasst bekommen, doch sie macht das meiste mit ihrer gesunden linken Hand. Leider hat Sathiya seit 2007 epileptische Anfälle. Durch die Dauermedikation hat sie sehr zugenommen und ist schwerfälliger geworden. Für ihre Körperhygiene und zum Ankleiden braucht sie wegen ihrer halbseitigen Lähmung noch Hilfe. Doch sie zeigt mehr und mehr Interesse und hilft stundenweise voller Stolz unseren Reinigungsfrauen. Wir versuchen, lebenspraktische Aufgaben für sie zu finden, damit sie irgendwann hoffentlich einer einfachen Arbeit nachgehen kann

Arthi wurde 2002 geboren. Ihre Mutter konnte dazu nur ungenaue Angaben machen und hat die Arztberichte verloren. Bei der Geburt hat Arthi wohl nicht geschrien und war bereits als Baby in ihrer Entwicklung verzögert. Bis zur 9. Klasse war sie in einer Regelschule, hat davon aber nicht profitieren können, weil sie weder folgen konnte noch gefördert wurde. Arthi ist schüchtern und redet deswegen oft undeutlich. Es ist auffällig, dass ihre Aussprache deutlicher ist, wenn sie entspannt mit ihren Freundinnen plaudert. Oft ist sie allerdings abwesend in ihrer eigenen Welt und hat große Schwierigkeiten, einer Konversation im Unterricht zu folgen und den Inhalt zu verstehen. Da Arthi eigentlich ganz normal aussieht, wurden ihre massiven Lernschwierigkeiten wohl lange nicht bemerkt und sie bekam so auch keine adäquate Unterstützung. Inzwischen hat sie viele Tricks entwickelt ihre Schwächen zu kaschieren, beispielsweise wechselt sie plötzlich das Thema und weicht aus.

Als Arthi neu bei Deepam war, beklagte sie sich über andauernde Magenschmerzen – bis wir ihr gleich nach der Ankunft morgens ein Frühstück gaben. Sie bekommt zu Hause nicht genügend Nahrung für eine heranwachsende junge Frau.

Bei Deepam ist Arthi hauptsächlich in unserer Werkstatt aktiv, wo sie schrittweise einfache Arbeiten erlernt, beispielsweise häkeln oder Makrameeknoten knüpfen. Wir halten sie auch dazu an, beim Aufräumen und

Kishore wurde 2005 geboren. Seine Eltern sind blutsverwandt. Seine Geburt und seine  frühkindliche Entwicklung verliefen unauffällig. Mit zwei Jahren erlitt er unerwartet epileptische Anfälle, die mit Medikamenten behandelt wurden. Kishore hat einige Jahre eine Schule in der nahe gelegenen Stadt Pondicherry besucht und kam 2016 zu uns. Seine Eltern beklagten sich über Auffälligkeiten in seinem Verhalten und über Koordinationsprobleme.

Unseren Mitarbeitern fiel auf, dass Kishore keine maskulinen sexuellen Merkmale entwickelt hat. Deshalb haben wir seinen Eltern, als er 15 war, empfohlen, die Hormonwerte ihres Sohnes testen zu lassen. Ergebnis war tatsächlich ein Testosteron-Mangel, gegen den er nun Medikamente einnimmt.

Kishore ist sowohl bei den Aktivitäten in der Ganztagsgruppe wie auch in den Einzelstunden motiviert. Er hat immer noch Schwierigkeiten sich zu fokussieren; manchmal testet er auch unsere Grenzen aus. Aber insgesamt ist er ein freundlicher und rücksichtsvoller Junge, der auch oft schwächeren Kindern hilft. Wir hoffen, dass es uns mit der schulischen und ergotherapeutischen Betreuung gelingt, Kishore in den kommenden Jahren so weit zu fördern, dass er später eine handwerkliche Beschäftigung findet.

Nivetha wurde 2005 geboren. In ihrer frühen Kindheit war sie in ihrer gesamten Entwicklung hinterher. Ihr gehörloser älterer Bruder Rutharpathi war schon vor ihr bei uns, Nivetha kam erst mit elf Jahren mit der Diagnose ADHS / Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität. In der Regelschule durfte sie nicht bleiben, weil sie sich nicht konzentrieren konnte und deshalb nicht lesen und schreiben lernte. Ihre akademischen Leistungen sind sehr schwach, doch ihre Feinmotorik ist gut und sie hat besonders Freude am Sportunterricht, seit sie bei uns ist. Nivetha kommt in der Gruppe gut zurecht. Sie hat noch Potential, und wir wollen ihr mehr handwerkliche Fähigkeiten beibringen – in der Hoffnung, dass sie aufblüht, wenn sie eine Tätigkeit findet, für die sie sich voll begeistern kann.

Dilip kam 1999 nach einer schweren und langen Geburt zur Welt und hat nicht geschrien. Seine frühkindliche Entwicklung war verzögert; er konnte erst mit zweieinhalb Jahren sitzen, mit dreieinhalb Jahren laufen und hat erst mit vier Jahren gesprochen. Ursprünglich war er wegen emotionaler Störungen und Lernschwierigkeiten bereits als kleines Kind zu Deepam gekommen. Doch dann ist die Familie umgezogen, und wir sahen ihn erst wieder, als er 15 Jahre alt war. Er hatte viele Ängste entwickelt, beispielsweise vor dem Treppensteigen, der Toilettenbenutzung und der Dunkelheit. Leider ist Dilips Brustkorb deformiert und unterentwickelt, was auf Dauer zu Funktionsstörungen des Herzens und der Lunge führen kann. Außerdem hatte er epileptische Anfälle und wir haben dafür gesorgt, dass er untersucht wurde und seither regelmäßig Medikamente einnimmt.

Dilips Aussprache ist verwaschen, doch er liebt es, mit anderen zu reden und hat ein gutes Auffassungsvermögen. Er bekommt Einzelunterricht für die Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Mathe. Dilip mag feinmotorische Tätigkeiten. Er malt gerne Dinge ab, erinnert sich an all unsere Geburtstage und schreibt voller Stolz morgens das Datum auf die große Tafel. Bei Deepam hat Dilip den Spitznamen „Dancemaster“ bekommen, weil er selbst gerne tanzt und oft andere Kinder zum Tanzen anregt. Unser Anliegen ist es, ihm weiter möglichst viele praktische Fähigkeiten beizubringen.

Puroshothaman kam 2009 nach einer normalen Schwangerschaft und Geburt auf die Welt. Angeblich ist er an seinem zweiten Lebenstag vom Bett gefallen und kam danach für zwei Tage in den Inkubator. Bis er drei Jahre alt war, hat er sich nach Aussage seiner Familie normal entwickelt, erlitt dann aber einen schweren epileptischen Anfall. In den Jahren danach fiel seine mangelnde Artikulation beim Sprechen auf. In der Schule hatte er Konzentrations-Schwierigkeiten, und im 3. Schuljahr konnte er nicht mehr mithalten und seine Lehrerin hat Pushothaman wiederholt zu uns gebracht. Erst nachdem seine Eltern einverstanden waren, konnten wir ihn in unsere Ganztagsgruppe aufnehmen.

Puroshots Familiengeschichte ist sehr traurig – der Vater ist dem Alkohol verfallen. Er schafft es nicht, sich um seinen Sohn zu kümmern und verprügelt ihn oft. Unglücklicherweise hat seine Mutter im März 2020 Selbstmord begangen, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als Indien wegen COVID-19 eine totale Ausgangssperre verhängt bekam und Deepam schließen musste. Puroshot wird bei Deepam mit Einzelunterricht gefördert, doch er lernt sehr langsam. Er erhält Ergotherapie zur Behandlung seiner sensorischen Defizite, die wahrscheinlich mit seiner traumatischen Kindheit und seiner Familiensituation zusammenhängen. Er ist ein ruhiger und scheuer Junge, der nach und nach aufzublühen beginnt und Vertrauen in uns entwickelt. Wir hoffen, dass es uns mit Geduld und Zuwendung gelingen wird, Puroshot die Werkzeuge in die Hand zu geben, die es ihm ermöglichen, später ein erfülltes Leben zu führen. Es macht Freude, mit Pushothaman zu arbeiten und mit ihm zusammen zu sein, vor allem wenn sein seltenes Lachen den Raum erfüllt.

Suresh kam1992 mit einer sogenannten Zerebralparese (spastischen Muskeln) auf die Welt. Mit drei Jahren hatte er einen schweren epileptischen Anfall und nahm ein Jahr lang Medikamente. Zum Glück hat er seither keine epileptischen Symptome mehr. Suresh hat eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder. Sein älterer Bruder ist mit eineinhalb Jahren tragisch verstorben, nachdem er sich zu Hause an einer Öllampe verbrannt hatte. Als Suresh fünf Jahre alt war, gab es zu Hause einen erneuten Unfall, bei dem Feuer im Spiel war. Er zog sich dabei Brandwunden zu und kam glücklicherweise mit ein paar bleibenden Narben davon. Seine Familie wurde damals deswegen bei der Polizei angezeigt.

Im Alter von neun Jahren kam Suresh zu Deepam. Er konnte weder laufen noch sprechen, sich selbst ankleiden oder selbständig essen. Seine Mutter hat ihn getragen und ihn wie ein Baby behandelt. Durch intensive Physiotherapie lernte er laufen. Sprachtherapie verhalf ihm zum Sprechen. Suresh ist sehr willig, alles zu probieren und kommt mit alltäglichen Aufgaben recht gut zurecht. Nur bei schwierigen Dingen braucht er wegen seiner körperlichen und mentalen Einschränkungen Unterstützung. Suresh liebt es zu singen und er ist interessiert, neben Tamil auch Englisch zu lernen.

Wir hatten viele Jahre lang zwei Sureshs in unserer Gruppe, und er bekam den Spitznamen “Jolly Suresh”(der fröhliche Suresh), denn er hat ein strahlendes Lachen mit weit geöffnetem Mund. Es ist eine Freude ihn und sein Lachen um uns zu haben.

Abdulmajith kam 2001 in einem benachbarten Bundesstaat, wo seine Eltern vorübergehend gearbeitet haben, als Hausgeburt mit Zerebralparese zur Welt. Mit drei Jahren wurde er in einen Kindergarten für bedürftige Kinder aufgenommen, später besuchte er bis zur 8. Klasse eine Regelschule, wo er allerdings nicht mithalten konnte. Weitere drei Jahre verbrachte er in Pondicherry in einer Schule für bedürftige Kinder. Dort war er in einem Wohnheim untergebracht. So kam er erst mit 17 Jahren zu uns zu Deepam. Abdul hat grob- und feinmotorische Einschränkungen und Schwierigkeiten mit seiner Augen-Hand-Koordination. In unserer Werkstatt leiten wir ihn dazu an, praktische Fähigkeiten zu erwerben, beispielsweise Dinge auszumessen oder sich wiederholende Muster einzuprägen und auszuführen, etwa bei Bastelarbeiten oder beim Aktualisieren des Kalenders. Sein größter Wunsch ist es, Mechaniker zu werden und Motorräder zu

Sumitra ist 2001 geboren und kam mit zehn Jahren zu Deepam. Sie wohnte in der nahe gelegenen Kleinstadt Pondicherry. Wir lehnten Sumithra ab, da wir normalerweise nur Kinder aus den umliegenden Dörfern nehmen. Doch ihre Eltern haben nicht aufgegeben und sind mit der gesamten Familie nach Kuilapalayam aufs Dorf umgezogen, damit ihre Tochter zu Deepam kommen kann. Ein derartiger Einsatz ist eine seltene Erfahrung für uns. Sumithra hat das Glück, von ihren Eltern sowohl Verständnis als auch Unterstützung zu erhalten.

Zu Beginn war Sumithra extrem scheu und regelrecht blockiert. Mittlerweile hat sie sich in eine kecke junge Frau verwandelt. Bevor sie zu uns kam, war Sumithra in verschiedenen Regelschulen, wo sie wegen ihren Lernschwierigkeiten nicht mithalten konnte und verständlicherweise Abwehrreaktionen entwickelte. Bei Deepam hat sich Sumithra sofort wohl gefühlt, doch es war nicht alles einfach. Bestimmte Aktivitäten hat sie lange Zeit schlichtweg vermieden, beispielsweise zu malen oder zu schreiben. Nach einiger Zeit fanden wir heraus, dass sie von ihrem Großvater gehänselt und bestraft wurde, weil sie in der Schule nicht mitkam. Homöopathische Mittel halfen, dieses Trauma zu lindern. Inzwischen hat Sumithra verschiedenste handwerkliche Techniken erlernt. Sie malt, töpfert, singt und tanzt, nimmt am Sport und Schwimmen teil. Sie liebt es zu kochen, und wir haben ihre Vorliebe dazu genutzt, ihr ein wenig Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, damit sie beim Einkaufen mit Geld umgehen und Rezepte lesen kann. Dazu war es nötig, mit ihr über Monate hinweg geduldigst die Namen von Gemüse und Früchten in tamilischer Schrift zu wiederholen, bis sie es sich endlich merken konnte. Nun ist Sumithra hauptsächlich in unserer Werkstatt aktiv und hat auch einige Verantwortlichkeiten übernommen, beispielsweise das Gießen unserer Topfpflanzen. Wir bewundern ihren starken Willen und unterstützen sie in ihrem Traum, eines Tages ein eigenes Restaurant eröffnen zu können.