Aktuelle Nachrichten im Juli 2021

Wir hatten gehofft, unsere Arbeit inzwischen längst wieder in vollem Umfang fortführen zu können, aber nun sind wir im erneuten strikten Lockdown.

Es war besonders traurig, unsere Kinder und Jugendlichen am 22. April – dreizehn Monate seit dem letztjährigen Lockdown – wieder nach Hause schicken zu müssen, vor allem weil einige von ihnen gerade wieder aufgeholt hatten. Es war deutlich zu sehen, wie sehr unsere Kinder in der Zeit, als sie nicht zu Deepam kommen konnten, abgebaut hatten.

Die zweite Welle der Pandemie kam nach über einem Jahr, und kaum jemand hat mehr damit gerechnet, so dass keine adäquaten Vorkehrungen und Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden sind; umso heftiger schlug das Virus in diesem stark bevölkerten Land mit unzulänglicher Gesundheitsversorgung zu. Indien war weltweit in den Schlagzeilen. Die meisten Familien auf dem Land wohnen auf engem Raum zusammen und Abstand zu halten, ist kaum möglich. Viele Menschen ließen sich gar nicht testen, um nicht stigmatisiert zu werden, und so sind die tatsächlichen Zahlen wahrscheinlich viel höher als die offiziellen. Auch in den umliegenden Dörfern unserer Region waren ganze Familien von starkem Fieber und anderen Symptomen betroffen, auch einige unserer Kinder und MitarbeiterInnen und deren Familien waren sehr krank. Die Krankenhäuser waren überlastet und es gab nicht genügend Betten auf den Intensivstationen. So gab es leider auch in unserem Bekanntenkreis einige Corona-bedingte Todesfälle. In Auroville hatten wir circa 100 positiv Getestete während der zweiten Welle der Pandemie. Glücklicherweise fällt die Zahl der Infizierten seit Ende Mai stetig und wir hoffen, dass wir bald nach und nach Deepam wieder für unsere Kinder öffnen dürfen.

Noch nie in unserer 29-jährigen Geschichte war Deepam so lange geschlossen. Unsere Arbeits- und Zeitpläne haben sich im letzten Jahr ständig verändert, um sich den lokalen COVID-Anforderungen anzupassen. Seit September 2020 war unser Handwerksraum für die älteren Jugendlichen wieder offen, und ein paar unserer Großen arbeiteten ehrenamtlich auf einer Auroville-Farm mit. Momentan mussten wir auch diese Aktivitäten wieder aussetzen. Im Mai waren für zwei Wochen sogar die Lebensmittelgeschäfte geschlossen und nur die Auslieferung von Lebensmitteln war erlaubt. Trotz der schwierigen Bedingungen und den Einschränkungen tun wir unser Bestes, um unsere Kinder und deren Familien zu unterstützen, während wir durch die ständig wechselnden Situationen manövrieren. Wir versorgten viele unserer Familien wöchentlich mit gesunden Lebensmitteln. Wann immer die Situation es erlaubte, kümmerten wir uns auch um die allernötigsten Therapiestunden für unsere Babys und Kleinkinder bei Deepam und wir wünschen uns alle, dass wir diese Arbeit baldmöglichst wieder aufnehmen können. Seit Juni 2021 kommen unsere Älteren wieder für handwerkliches Training.

In Indien leben viele Menschen von dem, was sie täglich verdienen (die Familien unserer Kinder eingeschlossen) und kämpfen, sich über Wasser zu halten. Einige Menschen konnten nach dem monatelangen Lockdown ihre Arbeit wieder aufnehmen, aber viele haben ihre Jobs verloren oder der Verdienst reicht nicht zum Leben. Die Regierung versorgt die meisten der ärmsten Haushalte mit einer kleinen Menge Reis, Hülsenfrüchten, Öl und Zucker, aber nicht mit Obst und Gemüse. Steigende Lebensmittelpreise und veränderte Ernährungsgewohnheiten (weg von den traditionellen gesunden Hirse-Arten und wild wachsenden Spinatsorten, hin zu industriell verarbeiteten Lebensmitteln) haben dazu geführt, dass sich viele Menschen in Indien sehr schlecht ernähren – hauptsächlich von weißem poliertem Reis, fettigen Snacks und gezuckerten Lebensmitteln und Getränken. Besonders seit dem Lockdown sehen wir eine starke Abwärtsentwicklung bei der Gesundheit unserer Kinder. Mittlerweile mussten inzwischen schon drei Kinder wegen lebensgefährlich niedrigem Hämoglobinwerten (unter 4 mg) Blutransfusionen erhalten. Wir hoffen sehr, dass wir unseren Kindern bald wieder das gesunde Mittagessen und die nahrhaften Zwischenmahlzeiten bei Deepam anbieten können. Leider sind in fast ganz Indien seit März 2020 immer noch alle Schulen geschlossen. Wir tun was in dieser Situation möglich ist.

Wir wollen allen FreundInnen und SpenderInnen für ihre großzügige Unterstützung danken. Wir sind sehr gerührt von so viel Freundlichkeit und Großzügigkeit. Ihre Unterstützung macht es möglich, unsere elf fest angestellten MitarbeiterInnen weiterhin voll zu bezahlen und darüberhinaus vielen Familien aus der Umgebung in dieser schwierigen Zeit zu helfen.

 

Hilfen bei Deepam, während der lang anhaltenden COVID-19 Pandemie

Aktuelles über unser Farm-Projekt

Während des ersten Lockdowns hat unsere Mitarbeiterin Leo einigen unserer älteren Deepam-Jungs eine wunderbare Möglichkeit eröffnet, freiwillig in einer biologischen Farm in Auroville mitzuarbeiten. Lockdown hieß für viele: allein zuhause bleiben und sich zu langweilen. Die Farmarbeit bietet die Möglichkeit einer nützlichen Beschäftigung, hilft Fertigkeiten zu erlernen und schafft ein Gefühl von Sinn, Erfüllung und Integration in die größere Gemeinschaft. Die Praktikanten bekommen außerdem Obst und Gemüse von der Farm, was auch bedeutet, dass sie gutes und nahrhaftes Essen für ihre Familien mit nach Hause bringen können.

Gestartet haben wir im August 2020 mit zwei unserer jungen Männer an fünf Vormittagen in der Woche. Mittlerweile sind helfen zwölf Jungs und Mädchen fleißig mit. Die Farmarbeit variiert und musste sich, wie die andere Arbeit bei Deepam, an die jeweiligen Bedingungen anpassen (inklusive Monsunzeit, Krankheiten und Covid-Maßnahmen), aber unsere Praktikanten sind ein geschätzter Teil der Farmgemeinschaft geworden. Ihr Fortschritt und ihr Enthusiasmus sind beeindruckend, und es ist inspirierend zu beobachten, wie unsere Jugendlichen, auf die normalerweise in dieser Gesellschaft herabgeblickt wird, zur Farmarbeit beitragen und sich im sozialen Umfeld bewähren. Es ist eine sehr bereichernde Erfahrung für alle Beteiligten.

Hausbesuche bei unseren Kindern in verschiedenen Dörfern

This image has an empty alt attribute; its file name is IMG_8467-1-300x287.jpg

Wir sind echt stolz auf unsere Dharani, von der die Stickerei auf dem Foto stammt. Sie ist inzwischen 23 Jahre alt und kommt zu Deepam seit, sie zwei war. Leider hat sie ein Sturge-Weber-Syndrom, eine angeborene neurologische Erkrankung, die mit schwerer Epilepsie und anderen Komplikationen einhergeht. Ihre Eltern sind beide an HIV verstorben, und Dharani musste in ihrem Leben viele Schwierigkeiten und Traumata meistern. Glücklicherweise kümmert sich ihre ältere Schwester liebevoll um sie. Über die Jahre hat Dharani bei Deepam Krankengymnastik, Bildung, sowie medizinische und soziale Hilfen erhalten und hat unglaubliche Fortschritte gemacht. Zu normalen Zeiten betreuen wir sie in unserer Ganztagesgruppe und in unserem Werkraum. Ihre Stickerei aus der schwierigen aktuellen Zeit hat eine starke Botschaft: “Hallo, ich bin Dharani, ich vermisse die Deepam Schule und möchte euch alle wiedersehen. Wir werden gegen Corona gewinnen!” 

 

Einige Eltern üben mit ihren Kindern zu Hause