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Lichterfest in der Monsunzeit
Am 25. November hat Zyklon Nivar unseren Bundesstaat Tamil Nadu getroffen. Stundenlang hat es in Auroville und in den umliegenden Dörfern heftig geregnet und der Wind hat stark geblasen und einige Bäume gefällt und Häuser beschädigt. Zum Glück wurde der Zyklon im letzten Moment schwächer und der Schaden war insgesamt geringer als erwartet. Der Sturm hat den Himmel geklärt und wir konnten bei strahlendem Sonnenschein und einem leuchtendem Vollmond ein friedvolles Lichterfest bei Deepam feiern. Am Meisten hat uns gefreut einige unserer Kinder wieder bei Deepam zu sehen, die seit März wegen dem Lockdown nicht mehr kommen durften. Die bunten Kolams, mehr als 1000 Öllämpchen und das gemeinsame Singen haben unser Herz erfreut. In dieser dunklen Jahreszeit und diesem besonders herausforderndem Jahr war das Lichterfest ein Zeichen der Hoffnung, für das wir besonders dankbar sind.

Wir sind echt stolz auf unsere Dharani, von der die Stickerei auf dem Foto stammt. Sie ist inzwischen 23 Jahre alt und kommt zu Deepam seit, sie zwei war. Leider hat sie ein Sturge-Weber-Syndrom, eine angeborene neurologische Erkrankung, die mit schwerer Epilepsie und anderen Komplikationen einhergeht. Ihre Eltern sind beide an HIV verstorben, und Dharani musste in ihrem Leben viele Schwierigkeiten und Traumata meistern. Glücklicherweise kümmert sich ihre ältere Schwester liebevoll um sie. Über die Jahre hat Dharani bei Deepam Krankengymnastik, Bildung, sowie medizinische und soziale Hilfen erhalten und hat unglaubliche Fortschritte gemacht. Zu normalen Zeiten betreuen wir sie in unserer Ganztagesgruppe und in unserem Werkraum. Ihre Stickerei aus der schwierigen aktuellen Zeit hat eine starke Botschaft: “Hallo, ich bin Dharani, ich vermisse die Deepam Schule und möchte euch alle wiedersehen. Wir werden gegen Corona gewinnen!”

Viele von Ihnen möchten gerne wissen, wie es uns hier in Indien geht. Es war traurig, Deepam im März für unsere Kinder wegen COVID-19 schließen zu müssen. Bis Ende Mai galt in Indien eine totale Ausgangssperre. Nur essenzielle Services durften geöffnet sein. Schulen, Universitäten und fast alle Geschäfte und Fabriken waren geschlossen. Alle öffentlichen Verkehrsmittel, sowie Inlands- und internationale Flüge wurden komplett eingestellt. Wir waren alle angehalten, zu Hause zu bleiben, außer zum Einkaufen von Lebensmitteln, was nur morgens erlaubt war. Inzwischen wurden Industriebetriebe nach und nach hochgefahren, Läden und Restaurants dürfen wieder geöffnet sein. Allerdings bleiben Schulen, Therapie- und Sporteinrichtungen geschlossen. In der Öffentlichkeit ist es weiterhin Pflicht, Schutzmasken zu tragen und es gelten Abstandsregelungen.
Seit es wieder öffentliche Verkehrsmittel und Inlandsflüge gibt, nimmt die Zahl der mit COVID-19 infizierten Personen auch in Auroville und den umliegenden Dörfern zu – zuvor gab es bei uns für fast vier Monate kaum Fälle. Mittlerweile hatten wir den ersten Corona-Fall in unserem Team. Zum Glück hat sich unsere Mitarbeiterin schnell davon erholt. Allerdings waren alle MitarbeiterInnen für einige Tag zuhause in Quarantäne und glücklicherweise hatte sich niemand angesteckt. Auroville hat die Handhabung von positiven Fällen gut im Griff, doch wir müssen mit mehr Infizierten rechnen, da in der naheliegenden Stadt Pondicherry die Zahlen extrem steigen. Wir sind sehr betroffen, dass kürzlich der Mann einer jungen Sprachtherapeutin, die vor Corona einmal pro Woche bei Deepam mitarbeitete, an COVID-19 verstorben ist.

Da unzählige Menschen in Indien von dem leben, was sie am Tag verdienen, haben sie kein Bargeld zur Verfügung – dies betrifft auch viele der Familien unserer Kinder und Jugendlichen. Die Regierung verteilt zwar eine gewisse Menge an Reis, Hülsenfrüchten, Öl und Zucker an die ärmsten Haushalte der Bevölkerung, aber kein Gemüse oder Obst. Die Lebensmittelpreise steigen stetig. Zum Glück konnten mittlerweile viele Menschen ihre Arbeit wieder aufnehmen, allerdings hat die Arbeitslosigkeit extrem zugenommen.

Wir wissen nicht wann wir Deepam wieder für unsere Kinder öffnen können. In 28 Jahren hatten wir nie so lange geschlossen! Unsere Mitarbeiter stehen mit unseren Kindern und deren Familien in Kontakt, und wir helfen mit Lebensmitteln, Medizin und geben einzelnen Kindern Hausaufgaben. Für einige unserer Jugendlichen konnten wir mittlerweile initiieren, dass sie, solange Deepam nicht öffnen darf, stundenweise auf einer Farm in Auroville mithelfen dürfen. Sie tun es voller Enthusiasmus. Auch planen wir, für einige andere unseren Handwerksraum zu öffnen.

Auf keinen Fall möchten wir unsere engagierten MitarbeiterInnen entlassen – es steckt viel Training und Input dahinter, ein gutes Team aufzubauen. Zum Glück können wir vorerst noch unseren elf Beschäftigten ihr Gehalt überweisen – doch wir werden mit Spendeneinbußen rechnen müssen und freuen uns über jede finanzielle Unterstützung in dieser schwierigen Zeit.
Wir hoffen sehr, dass wir alle gesund und sicher bleiben und das Gleiche wünschen wir Ihnen auch!

Hilfen bei Deepam, während der lang anhaltenden COVID-19 Pandemie:

Flohmarkt in Karlsruhe

Unser treuer Freundeskreis in Karlsruhe hat während der Pandemie gleich zwei Straßenflohmärkte organisiert, einmal sogar mit der Unterstützung eines Clowns und eines Frauenchores. Es gab viele Sachspenden und viel Einsatz, viel Spaß war dabei, und ein beachtlicher Erlös kam zusammen. Danke an euch alle von Deepam!

Während der Ausgangssperre hast unsere Mitarbeiterin Leo für einige unserer älteren Jungs ein wunderbares Projekt auf einer biologischen Farm in Auroville initiert.

Hausbesuche bei unseren Kindern in verschiedenen Dörfern

 Einige Eltern üben mit ihren Kindern zu Hause