Aktuelle Nachrichten im April 2021

Wir hatten gehofft, dass wir unsere Arbeit inzwischen längst wieder in vollem Umfang fortführen würden. Aber nun besteht nach wie vor Ungewissheit mit Prognosen für eine neue Welle und einen eventuellen erneuten Lockdown. Folgend ein Zwischenbericht zum Stand der Dinge: Im März 2020 musste Deepam wegen COVID-19 ganz schließen. Noch nie in unserer 29-jährigen Geschichte war Deepam so lange geschlossen. Zu der Zeit gab es einige Monate lang einen sehr strengen Lockdown in ganz Indien, bei dem nur ein Mindestmaß an öffentlichem Leben aufrecht erhalten wurde. Fabriken und Schulen waren geschlossen, der öffentliche Verkehr war lahmgelegt und nur Lebensmittelgeschäfte waren mit reduzierten Öffnungszeiten zugänglich.

Ab Juni 2020 gab es graduelle Lockerungen, aber nach wie vor sind wir weit entfernt von Normalität. Unsere Arbeits- und Zeitpläne haben sich im letzten Jahr ständig verändert, um sich den lokalen Covid-Anforderungen anzupassen. Trotz der schwierigen Bedingungen und den Einschränkungen für die Arbeittun wir unser Bestes, um unsere Kinder und deren Familien zu unterstützen, während wir durch die ständig wechselnden Situationen manövrieren. Wir helfen, wo es nötig ist, mit Lebensmitteln und Arzneien. Seit September ist unser Handwerksraum für die älteren Jugendlichen wieder offen, und ein paar  unserer Großen arbeiten ehrenamtlich auf einer Auroville-Farm mit. Wann immer die Situation es erlaubt, kümmern wir uns auch um die allernötigsten Therapiestunden für unsere Babies und Kleinkinder bei Deepam.

In Indien leben viele Menschen von dem, was sie täglich verdienen (die Familien unserer Kinder eingeschlossen) und kämpfen, sich über Wasser zu halten. Einige Menschen konnten nach dem monatelangen Lockdown ihre Arbeit wieder aufnehmen, aber viele haben ihre Jobs verloren oder der Verdienst reicht nicht zum Leben. Die Regierung versorgt die meisten der ärmsten Haushalte mit einer kleinen Menge Reis, Hülsenfrüchten, Öl und Zucker, aber nicht mit Obst und Gemüse. Steigende Lebensmittelpreise und veränderte Ernährungsgewohnheiten (weg von den traditionellen gesunden Hirse-Arten und wildwachsenden Spinatsorten, hin zu industriell verarbeiteten Lebensmitteln) haben dazu geführt, dass sich viele Menschen in Indien sehr schlecht ernähren – hauptsächlich von weißem poliertem Reis, fettigen Snacks und gezuckerten Lebensmitteln und Getränken. Besonders seit dem Lockdown sehen wir eine starke Abwärtsentwicklung bei der Gesundheit unserer Kinder. Ohne den Zugang zu dem gesunden Mittagessen und den nahrhaften Zwischenmahlzeiten bei Deepam mussten inzwischen schon drei Kinder wegen lebensgefährlich niedrigem Hämoglobinwerten(unter 4 mg) Blutransfusionen erhalten.

In Auroville und den umliegenden Dörfern gab es bisher nur wenige Corona-Fälle. Trotzdem hatten offiziell alle Schüler in ganz Indien unterhalb der 9. Klasse seit über einem Jahr keine Schule und die Älteren wenn überhaupt nur wenige Monate, bis es vor Kurzem wieder strikte Anweisungen gab, alle Schulen zu schließen.

Wir wollen allen FreundInnen und SpenderInnen für ihre großzügige Unterstützung im letzten Jahr danken. Wir waren sehr gerührt von so viel Freundlichkeit und Großzügigkeit. Ihre Unterstützung hat es uns erlaubt, unsere elf fest angestellten MitarbeiterInnen weiter voll zu bezahlen und darüberhinaus vielen Familien aus der Umgebung in dieser schwierigen Zeit zu helfen.

 

Hilfen bei Deepam, während der lang anhaltenden COVID-19 Pandemie:

Aktuelles über unser Farm-Projekt:

Während des Lockdown hat unsere Mitarbeiterin Leo einigen unserer älteren Deepam-Jungs eine wunderbare Möglichkeit eröffnet, freiwillig in einer Bio-Farm in Auroville mitzuarbeiten. Lockdown hieß für viele: allein zuhause bleiben und sich zu langweilen. Die Farmarbeit bietet die Möglichkeit einer nützlichen Beschäftigung, hilft Fertigkeiten zu erlernen und schafft ein Gefühl von Sinn, Erfüllung und Integration in die größere Gemeinschaft. Die Praktikanten bekommen außerdem Obst und Gemüse von der Farm, was auch bedeutet, dass sie gutes und nahrhaftes Essen für ihre Familien mit nach Hause bringen können.

Gestartet haben wir im August 2020 mit zwei unserer jungen Männer an fünf Vormittagen in der Woche. Mittlerweile sind zwei Mädchen hinzugekommen und alle vier sind jeweils zweimal in der Woche dabei. Die Farmarbeit variiert und musste sich, wie die andere Arbeit bei Deepam, an die jeweiligen  Bedingungen anpassen (inklusive Monsunzeit, Krankheiten und Covid-Maßnahmen), aber unsere Praktikanten sind ein geschätzter Teil der Farmgemeinschaft geworden. Ihr Fortschritt und ihr Enthusiasmus sind beeindruckend, und es ist inspirierend zu beobachten, wie unsere Jugendlichen, auf die normalerweise in dieser Gesellschaft herabgeblickt wird, zur Farmarbeit beitragen und sich im sozialen Umfeld bewähren. Es ist eine sehr bereichernde Erfahrung für alle Beteiligten.

Eine Hürde für die Ausweitung dieses Programms besteht darin, dass wir unseren Schulbus wegen der Covid-Einschränkungen nicht benutzen dürfen. Wir sind darauf angewiesen, dass die Eltern für Transport sorgen, was nicht alle leisten können. Wir hoffen, diese wertvolle Erfahrung in Zukunft mehr Jugendlichen anbieten zu können.

Hausbesuche bei unseren Kindern in verschiedenen Dörfern

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Wir sind echt stolz auf unsere Dharani, von der die Stickerei auf dem Foto stammt. Sie ist inzwischen 23 Jahre alt und kommt zu Deepam seit, sie zwei war. Leider hat sie ein Sturge-Weber-Syndrom, eine angeborene neurologische Erkrankung, die mit schwerer Epilepsie und anderen Komplikationen einhergeht. Ihre Eltern sind beide an HIV verstorben, und Dharani musste in ihrem Leben viele Schwierigkeiten und Traumata meistern. Glücklicherweise kümmert sich ihre ältere Schwester liebevoll um sie. Über die Jahre hat Dharani bei Deepam Krankengymnastik, Bildung, sowie medizinische und soziale Hilfen erhalten und hat unglaubliche Fortschritte gemacht. Zu normalen Zeiten betreuen wir sie in unserer Ganztagesgruppe und in unserem Werkraum. Ihre Stickerei aus der schwierigen aktuellen Zeit hat eine starke Botschaft: “Hallo, ich bin Dharani, ich vermisse die Deepam Schule und möchte euch alle wiedersehen. Wir werden gegen Corona gewinnen!” 

 

Einige Eltern üben mit ihren Kindern zu Hause